Störfall Hausaufgaben: Wie ein Berg und eine Treppe den täglichen Kleinkrieg vermeiden

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Hausaufgaben sind DAS Dauerthema in Familien: Wann werden sie gemacht? Möglichst erst in letzter Sekunde. Wie viel Übung muss zusätzlich zu den Hausaufgaben sein? Keine. Was muss für den nächsten Tag vorbereitet werden?  In den meisten Fällen ebenfalls nichts – so die Einstellung der Kinder.

Während Prüfungen und Schulaufgaben lediglich punktuellen Stress in die Familien bringen, ist das Hausaufgabenthema ein Dauerbrenner. Jeden Tag. Über nichts wird so oft lautstark geschrien, nichts ist so häufig Auslöser für Ärger und Stress. Das geht auch anders. Wie immer helfen Planung und Struktur.

Wie organisiert Dein Kind die Hausaufgaben?

Die meisten Schüler setzen sich an den Schreibtisch und fangen einfach an. Und zwar mit dem Fach, das ihnen gerade einfällt, mit dem Heft, das oben liegt. Ein strukturierter Hausaufgabenberg sieht anders aus: Bevor sie sich an den Schreibtisch setzen, sollten die Kinder überlegen, was auf dem Plan steht und den Arbeitsberg in Etappen gliedern. Sie fangen mit etwas Einfachem an, was Spaß macht und schnell geht. Danach wird es schwieriger, gegen Ende kommen wieder leichtere Dinge, die schnell von der Hand gehen. Immer abwechseln zwischen schriftlich und mündlich, Naturwissenschaften und Sprachen. Nie Lateinvokabeln und danach die Englischübersetzung. (Oder erst Mathe und dann Physik.) Das hilft dem Gehirn beim Verarbeiten, die Kinder bleiben besser bei der Sache, und Abwechslung macht alles leichter.

Wann machen die Jugendlichen Hausaufgaben?

An dem Nachmittag, an dem sie sie in der Schule aufbekommen, dann sind sie erledigt. Wenn sie sie am Tag machen, bevor das Fach wieder auf dem Stundenplan steht, haben sie mit der Erledigung der Hausaufgaben gleich den Stoff wiederholt und sind für den nächsten Tag vorbereitet. Können sie sich die Vokabeln gleich gut merken oder brauchen sie eine Wiederholung? Davon hängt ab, wann sie erledigt werden sollten. Und natürlich von den anderen Terminen und Verpflichtungen in der Woche.

Macht einen Stundenplan mit Fächern und Terminen und tragt für jeden Tag Lernzeiten ein, auf die ihr euch vorher einigt. Das ist zum einen die Zeit für die Hausaufgaben, die nach Möglichkeit an einem Stück erledigt werden sollten. Dazu kommt die Vorbereitungszeit für Fächer, in denen es keine Hausaufgaben gibt. Den Text aus dem Geschichts- oder Biobuch lesen viele Jugendliche auch gerne am Abend vor dem Einschlafen. Auch die Wiederholung der gelernten Vokabeln oder des Stoffs für die Schulaufgaben ist am Abend noch einmal sinnvoll. Wenn diese Zeiten fest im Plan stehen, brauchen sie nicht jeden Tag aus Neue diskutiert und ausgehandelt werden. Und es bleibt mehr Zeit für Freizeitaktivitäten, denn die sind (fast) genauso wichtig.

Ist der Lernstoff schwierig, hilft es nicht, ihn nur einmal anzuschauen. Lesen, Anhören, Skizzieren, Erzählen sind Möglichkeiten, ein Thema mehrfach zu wiederholen, verschiedene Lernkanäle zu nutzen und ihn so langsam auf den Weg ins Langzeitgedächtnis zu bringen. Mehr Ideen dazu im Teil „Lernen wie ein Weltmeister“ in meinem Buch.

Kurze Pausen sind wichtig

Zwischen den verschiedenen Aufgaben ein Musikstück anhören, kurz mit dem Hund spielen, einmal die Treppe rauf und wieder runter oder ein bisschen Gehirngymnastik geben neuen Schwung. Ein Glas Wasser und einmal Durchlüften helfen den grauen Zellen wieder auf die Sprünge.

Wissen die Kinder überhaupt, was sie tun sollen? Ein Hausaufgabenheft ist für die meisten Kinder ein Muss, denn sie können sich dauerhaft nicht merken, was sie erledigen und vorbereiten müssen. Bei jüngeren Kindern sollte man kontrollieren, ob die Hausaufgaben erledigt sind, damit keine Lücken entstehen. Arbeitet dein Kind nicht selbständig, kann das auch in der weiterführenden Schule angebracht sein, zumindest als Begleitung auf dem Weg zum eigenständigen Lernen.

Oft ist auch nicht klar, was außerhalb der Hausaufgaben vorzubereiten oder zu wiederholen ist. Muss es selbständig ein Thema im Buch nachlesen, Vokabeln wiederholen, Grammatik vertiefen? Lass dir erzählen, was in den Fächern durchgenommen wurde, dann merkst du schnell, ob dein Sohn oder deine Tochter den Überblick hat. Arbeitet mit Mindmaps oder ABC-Listen für Nebenfächer, so seht ihr, ob der Stoff verstanden wurde.

Versteht dein Kind etwas nicht?

Wen kann es fragen, wo kann es nachschauen? Viele Schüler hören einfach auf, wenn ein Problem auftaucht, weil es einfacher ist. Sie müssen lernen, dass man sich bei Problemen Lösungen erarbeiten muss. Hier hilft die Treppenstrategie:

Im ersten Schritt behalte dein Kind nur im Auge. Es beginnt mit den Hausaufgaben und arbeitet sich alleine durch. Wenn es stecken bleibt und nicht mehr weiter weiß, leistest du im zweiten Schritt Hilfestellung. Kläre, woran es hakt: Ist die Aufgabenstellung klar? Kann es die Aufgabe mit eigenen Worten erklären?  Die Aufgabe ist trotzdem zu schwer? Hilf ihm im nächsten Schritt über die Schwierigkeit hinweg oder lass dein Kind bei einem Klassenkameraden anrufen, damit es weiterkommt.  Nur wenn es alleine nicht weiterkommt, löst ihr die Aufgabe im letzten Schritt gemeinsam. Das Kind überlegt sich den jeweils nächsten Schritt allein. Fehler korrigiert es selbst, du weist nur darauf hin.

Ist dein Kind blockiert, frag vorsichtig nach. Lass dir erzählen, wo die Schwierigkeiten sind und sucht gemeinsam nach einer Lösung. Braucht dein Sohn oder deine Tochter bis zur 7. Klasse regelmäßig länger als 90 Minuten für die Hausaufgaben, solltest du dir Hilfe holen. Entweder im Einzelcoaching oder im Buch „Raus aus dem Schulchaos“ gibt es dazu viele Tipps und Hilfestellungen. Dazu zählen aber nicht die Vorbereitungszeiten für Prüfungen und Schulaufgaben.

Checkliste Hausaufgaben:

» Stundenplan mit täglichen Lern- und Vorbereitungszeiten erstellen für weniger Diskussionen

» Hausaufgabenberg gliedern für leichteres Arbeiten

» Pausen und Freizeitaktivitäten einplanen

» Treppenstrategie für die Problemlösung

 

In meinem Buch „Raus aus dem Schulchaos Wie dein Kind leicht lernt und du entspannt begleitest“ findest du viele weitere Tipps und Strategien für Hausaufgaben und Lernen.

 

 

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4 Antworten

  1. Liebe Petra, danke für diesen kleinen Einblick in stressfreiere (ganz stressfrei wird es wohl nie 🙂 ). Noch ist mein Sohn in der 2. Klasse und das Thema ist noch übersichtlich, aber ich ahne, dass das nicht so bleiben wird. Die Checkliste werde ich mir also merken. Viele Grüße, Bianca

    1. Liebe Bianca, das stimmt, in der zweiten Klasse flutscht das noch, erst in der weiterführenden Schule kommt dann die Unlust der Kinder. Dann werden wir Eltern zu Motivationscoaches und müssen Stress vermeiden, wo es nur geht :-). Herzliche Grüße Petra

  2. Hallo Petra,

    Vielen Dank für diesen tollen Input! Bei uns sind die Hausaufgaben wirklich immer ein Graus, mein Sohn hat schon in der zweiten Klasse die Lust verloren. Ich werde Deine Tipps zukünftig beherzigen!

    Liebe Grüße
    Heidi

    1. Liebe Heidi, das freut mich, denn das ist in der Tat ein bisschen früh, die Lust zu verlieren. Da ist es ganz wichtig, die Freude und den Spaß am Lernen zu erhalten. Dazu kommen bald weitere Tipps. Herzlich: Petra

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