Schlechte Noten in Sicht: 5 Tipps, wie Sie richtig reagieren

Neulich las ich in einer Statistik, dass sich die meisten Kinder aufs Zeugnis freuen. Sie kommen am letzten Schultag freudestrahlend und mit Rückenwind aus der Schule und werden von ihren Eltern uneingeschränkt gelobt. Und zwar so richtig. Dann gibt es eine Belohnung: Sie dürfen endlich mal über die Stränge schlagen, machen einen tollen Ausflug mit der Familie oder bekommen ein Geschenk zur Belohnung. Alle freuen sich, feiern und sind zufrieden. Solche Ermutigungen geben Auftrieb, blasen Wind in die Segel und führen zu weiteren Erfolgen. Wichtig ist, dass die Kinder nicht nur für die Ergebnisse, sondern auch für ihren Fleiß und ihr Durchhaltevermögen gelobt werden.

Doch was ist mit den anderen Kindern, wo es statt Freudenjubel eher  Stürme, Aufruhr und Tränen gibt? Wie schaffen wir es, diese zu motivieren und bei der Stange zu halten? Denn auch sie sollen das Leben schließlich genießen können.

Der richtige Umgang mit Kritik und negativen Bewertungen ist nicht ganz so einfach. Druck und Panik hilft in keinem Falle, fünf Strategien sollten Sie daher beherzigen.

  • Sohn oder Tochter haben sich nach Kräften engagiert, es hat aber trotzdem nicht geklappt. Dann sollten auf alle Fälle Fleiß und Mühen anerkannt werden. Feiern Sie diese Leistungen ebenfalls, denn auch wer nicht so gute Noten hat, hat sehr viel richtig gemacht und jede Menge Neues gelernt. Das Kind will ermutigt werden dranzubleiben und hier sollten sie unbedingt das Engagement in den Vordergrund stellen. Es ist umso wichtiger, dass die Schülerinnen und Schüler nicht frustriert sind. Sonst wird es im nächsten Schuljahr ganz schwierig und die Segel hängen von Anfang an auf Halbmast.

 

  • Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es nicht nur auf die Schule ankommt. Heben Sie hervor, was es in und außerhalb der Schule geleistet und erreicht, welche Erfolge es gefeiert hat – und das können auch Verbesserungen in der Schule oder beim Lernverhalten sein, die aber noch nicht gereicht oder gezählt haben. Die Jugendlichen dürfen nicht den Eindruck gewinnen, als Mensch wertlos zu sein, nur weil es in der Schule weniger gut lief.

Eine schöne Übung wäre beispielsweise 30 Stärken und Erfolge einfach einmal aufzuschreiben: Gestalten Sie ein Plakat mit einer großen Schatzkiste und notieren Sie die Stärken und Erfolge ihres Kindes gemeinsam. Viele Talente kommen in der Schule gar nicht zum Tragen, sind aber trotzdem wichtig für ein glückliches Leben. Erfolge im Sport, Engagement in der SMV oder im Musikverein. Hilfe für die Oma, tolle Gemälde oder Basteleien zu Weihnachten, Kreativität. Vielleicht ist es ausdauernd, hartnäckig, fleißig….. Es ist wichtig, dass Kinder begreifen, dass es auch noch auf andere Dinge im Leben ankommt, obwohl Schulnoten natürlich wichtig sind.

Das Bild kann es später als Motivationshilfe immer wieder ergänzen und betrachten. Wichtig ist, dass auch Sie Erfolge und Stärken beitragen, so dass Ihr Kind Wertschätzung erfährt und Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufbauen kann. Wenn Schülerinnen und Schüler das nicht spüren, fangen sie häufig gar nicht erst an, sich fürs Lernen zu engagieren. Weil sie Fehler befürchten. „Das wird ja eh nichts“, „Ich kann das sowieso nicht“. Und dann wird es auch so kommen.

  • Ihr Kind muss lernen, mit Niederlagen umzugehen. Viele gute Schüler können das nicht und scheitern dann irgendwann später. Erzählen Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter von Ihren eigenen Niederlagen und wie Sie es doch noch geschafft haben, Ihr Ziel zu erreichen. Oder wie Sie sich ein neues Ziel gesucht haben, das Ziel angepasst und verändert haben. Auch solche Erfahrungen sind wichtig.

 

  • Suchen Sie gemeinsam nach Chancen und Möglichkeiten, die es jetzt zu nutzen gilt. Was machen wir im nächsten Schuljahr anders? Wo hängen wir uns rein, weil es nicht geklappt hat? Was bauen wir aus, weil du es gut kannst? Schauen Sie gemeinsam, ob Lernzeiten, Hausaufgabenpläne und Schulaufgabenvorbereitung vielleicht anders besser klappen könnten. Beobachten Sie Ihr Kind: Welcher Lerntyp ist es? Lernt es entsprechend seiner Stärken? Hier können Sie einen kostenlosen Lerntypen-Test anfordern. Hat es genug Schlaf? Macht es genug Pausen? Macht es überhaupt Hausaufgaben und lernt regelmäßig? Sehr häufig sind die Schüler mit zu viel Selbständigkeit überfordert und brauchen auch in höheren Klassen Anstoß und zumindest Interesse an ihrem Lernen.

 

  • Es gibt immer eine Lösung: Wenn Sie merken, dass Ihr Kind völlig überfordert ist und auch das größte Engagement nicht von Erfolg gekrönt sein wird, können Sie gemeinsam die Schulsituation besprechen und sehen, ob eine andere Schule vielleicht besser für Ihr Kind ist. Niemand muss perfekt sein, immer gut sein oder alles können. Aber jeder braucht irgendwann auch Erfolge, um Spaß am Leben zu haben. Unsere Aufgabe als Eltern ist es auch, dafür zu sorgen, dass unsere Kinder die richtigen Rahmenbedingungen dafür vorfinden.

 

An Niederlagen wachsen – oft wertvoller als gute Noten

Der Umgang mit Niederlagen, Chancen und Möglichkeiten auszuloten und eine Lösung zu finden ist auch dann wichtig, wenn Kinder schlechte Noten mit nach Hause bringen, weil sie sich nicht engagiert haben. Die wenigsten Schüler sind damit zufrieden, auch wenn sie cool sein wollen. Fragen Sie nach, ob Ihr Sohn oder die Tochter mit dem Erreichten wirklich zufrieden sind, ob es sich andere Ziele gesetzt hat oder was er oder sie erreichen will. Erfolge braucht jeder, um glücklich zu sein.

Meist liegt es dann an der Motivation. Hier gilt es, die Motivationskiller aufzuspüren und Ziele zu erkennen. Sehr häufig sind die Kinder dankbar für Unterstützung und Interesse. Und machen nach einem Schnitt durch die Sommerferien dann anders weiter, weil wieder eine neue Reise beginnt, neue Chancen entstehen.

Wenn alles gleich bleibt, kann es keine Veränderung geben

Auch an der Lernorganisation sollte in solchen Fällen gemeinsam gearbeitet werden. Lassen Sie Ihr Kind Vorschläge machen, dann wird es eher etwas ändern, als wenn Sie Dinge vorschreiben. Geben Sie ihm Zeit. Nach den Ferien sollte klar sein, was im neuen Schuljahr anders läuft. Denn: Wenn wir alles weiter machen wie bisher, wird sich auch am Ergebnis nichts ändern. Und deswegen muss vor allem Ihr Kind zu Veränderungen auch bereit sein.

Wenn Sie diese Schritte beherzigen, kann ihr Kind dann im kommenden Jahr wieder zu den Schülerinnen und Schülern gehören, die sich auf ihr Zeugnis und den letzten Ferientag freuen. Und Sie sich mit ihnen.

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