Wecken Sie den Tiger in Ihrem Kind! – 7 Punkte für ein gesundes Selbstbewusstsein

Vor kurzem war ein Sechstklässler bei mir. Er hatte ein Referat über die Stadt Hamburg vorbereitet. Tolle Bilder aufgeklebt, ein Quiz vorbereitet und er wusste selbstverständlich alles über die Hansestadt. Die Vorbereitung hatte ihm so richtig Spaß gemacht, das merkte man sofort. Er sprudelte nur so vor Wissen. Als ich ihn aber bat, mir das Referat mal so vorzutragen, wie er es in der Schule machen wollte, war die Begeisterung mit einem Schlag vorbei: Das wollte er gar nicht – er hatte Angst, dass seine Mitschüler das Thema langweilig finden und traute sich deswegen nicht, vor der Klasse zu sprechen.

Das erfordert natürlich Mut. Wie viele andere Dinge auch: sich im Unterricht melden, sagen, dass man in einer Gruppe mitmachen möchte, eine Turnübung vorführen, in eine neue Klasse oder Schule gehen. Für Kinder in einem bestimmten Alter erfordert es Mut, alleine zum Bäcker zu gehen. Oder im Restaurant noch eine Fanta nachzubestellen.

Selbstbewusstsein ist wichtig, macht erfolgreich und glücklich. Wie können wir unsere Kinder also stärken und ihr Selbstvertrauen aufbauen?

Fehler sind in Ordnung!

Warum trauen manche Schüler sich nicht, sich im Unterricht zu melden? Sie haben Angst, etwas Falsches zu sagen, einen Fehler zu machen. Sie befürchten sogar, dass andere Kinder sie auslachen. Die Fehlerkultur, also wie wir damit umgehen, wenn andere  Fehler machen, ist für mich der wichtigste Aspekt für selbstbewusste Kinder. Haben Sie gelernt, dass es in Ordnung ist Fehler zu machen, wenn man etwas Neues ausprobiert, wenn man etwas noch nie gemacht hat, wenn man sich etwas traut, dann sind Fehler nicht mehr schlimm. Die Einsicht, dass Fehler und Niederlagen zum Leben gehören, ist auch für Kinder wichtig. Erwachsene können ihnen zeigen, dass man aus Fehlern lernen kann und dass sie in Ordnung sind. Eltern sollten ihnen dabei helfen, den Fokus weg von den Fehlern hin zu den positiven Aspekten zu lenken. Hier ist auch Ihr Vorbild ganz besonders wichtig.

 Loben Sie Ihr Kind!

Wenn Ihr Sprössling sich etwas traut, was er noch nie gemacht hat, wenn Sie merken, dass er etwas wagt, obwohl es ihm ein bisschen mulmig ist, loben Sie ihn oder sie dafür! Und zwar nicht nur, wenn das Ergebnis gut war, sondern allein für das Wagnis, dass er eingegangen ist. Das bestärkt Kinder darin, sich weiterzuentwickeln und weiterzumachen. Und fürs Weitermachen gibt es wieder Lob: Krönchen richten und weiter geht‘s, auch dafür brauchen die kleinen Prinzessinnen Selbstbewusstsein.

Auch wenn die Tochter bei der Kür auf dem Schwebebalken herunterfällt: Sie hat sich getraut,  hinaufzusteigen und eine Kür vor Publikum aufzuführen. Das ist toll und muss gewürdigt werden! Wenn Kinder Erfolge vermelden, sollte das Lob uneingeschränkt ausfallen. Und klar sein, dass es die Leistung des Sprösslings war, die dies möglich gemacht hat. Und nicht die Lehrerin, die leichte Aufgabe oder das Wetter.

Sprechen Sie über Emotionen!

Sagen Sie Ihren Kindern, dass auch Ihnen manchmal nicht ganz wohl ist bei einer Entscheidung. Dass sie sich fragen, ob das wohl gut geht und sogar ein bisschen Angst dabei haben. Erklären Sie ihnen, dass das ganz normal ist im Leben, dass wir nicht immer alles vorher wissen und kennen und Wagnisse zum Leben dazugehören. Deswegen muss aber niemand einen Bungee-Sprung von einer Brücke machen. Aber ein Referat vor der Klasse, eine Kür beim Turnen, ein Vorspiel in der Musikstunden – da ist es ganz normal, etwas Angst zu haben. Nicht nur beim ersten Mal.

Schaffen Sie Erfolge!

Worin ist ihr Kind so richtig gut? Welche Sportart, welches Musikinstrument beherrscht es bravourös? Fördern Sie sein Selbstvertrauen, indem es Dinge ausprobiert und wagt, wo Erfolge wahrscheinlich sind. Sie könnten beispielsweise zunächst mal ein Konzert im kleinen Kreis der Familie organisieren. Klappt das gut, dann werden noch die Nachbarn eingeladen, danach kommt das Vorspiel. Ist ihr Kind gut in einer Sportart, schicken Sie es auf Wettkämpfe. Selbstvertrauen im Sport ist besonders wirksam, auch für die Schule. Die Kraft des Sieges wird sich positiv in allen Lebensbereichen auswirken.

Glaubt Ihr Kind an sich?

„Das kann ich eh nicht!“, „“Das schafft doch niemand“, solche Äußerungen demotivieren. Sorgen Sie dafür, dass ihr Kind positiv mit sich selbst umgeht, anstatt ständig Selbstkritik zu üben. Weisen Sie es auf kleine und große Erfolge in allen Bereichen hin. Überlegen Sie gemeinsam, was es von sich denkt und was es gerne von sich denken würde: „Ich schaff das!“ Dann wird es auch was.

Und wenn man anfängt, kleine Erfolge zu sehen, kommen auch die großen irgendwann automatisch. Sie können ein Erfolgstagebuch führen, in dem Sie jeden Abend gemeinsam mindestens eine Sache eintragen, die gut lief an diesem Tag. Und gemeinsam einen Stopp für negative Gedanken einführen: Sobald es merkt, dass es in den Selbstkritik-Modus abrutscht, sollte es laut „Stopp“ sagen. Vielleicht mit einem selbstgebastelten Stoppschild griffbereit in der Hosentasche? So verändern Sie gemeinsam langsam den Blickwinkel vom halbleeren zum halbvollen Glas. Und verleihen den Erfolgen ihres Kindes Flügel.

Kann Ihr Kind auch „Nein“ sagen?

Nein sagen erfordert Selbstvertrauen. Entweder, wenn jemand etwas von einem möchte oder wenn man etwas tun soll, was man nicht tun mag. Man muss dabei seine eigenen Gefühle wahrnehmen, seinen Willen auch gegen eine Mehrheit durchsetzen. Ja sagen ist einfacher. Ja Sager sind beliebter, weil sie auch unangenehme Aufgaben übernehmen. Selbstvertrauen bedeutet auch, seine eigenen Wünsche und Fähigkeiten zu kennen und nach seinem eigenen Plan zu leben. Sich nicht dem Diktat der Mehrheit unterwerfen. Das müssen wir Eltern dann auch zuhause mal aushalten können und uns darüber freuen, dass unsere Kinder selbstbewusst sind.

Achten Sie auf Haltung

Schon am Äußeren kann man fehlendes Selbstbewusstsein häufig erkennen. Machen Sie deshalb gemeinsam  eine einfache Körperübung, die große Auswirkungen auf das Selbstvertrauen haben kann. Stellen Sie sich aufrecht hin, die Füße etwa hüftbreit auf dem Boden. Nun bauen Sie sich so auf, als hätten Sie unendliche Kraft, drücken den Brustkorb nach vorne und spannen Sie die Schultern. Durch die Muskelspannung spüren Sie, wie viel Kraft in Ihnen steckt und Sie fühlen sich – beispielsweise für eine kommende Aufgabe – gestärkt.

Bringen Sie Ihr Kind zum Lächeln.  Lachen hat positive Auswirkungen auf unseren ganzen Körper. Auch das Selbstbewusstsein bleibt von diesen Effekten nicht unberührt. Üben Sie gemeinsam:  Nehmen Sie einen Bleistift zwischen die Zähne und halten diesen für etwa dreißig Sekunden fest, ohne dass er hierbei die Lippen oder die Zunge berührt. Sie haben in dieser Haltung ein breites Grinsen auf dem Gesicht, das  mit beinahe sofortiger Wirkung innere Kraft gibt.

Achten Sie außerdem auf eine aufrechte Körperhaltung und ausreichende Lautstärke beim Sprechen. Sollte ihrem Kind dies schwer fallen, schreien Sie gemeinsam jeden Tag so laut sie können. Das macht Spaß und hilft, Lautstärke zu gewinnen. Üben Sie gemeinsam vor einem Referat, wie man laut und deutlich spricht und eine aufrechte Körperhaltung beim Vortragen einnimmt.

Mit meinem Sechstklässler haben wir gemeinsam überlegt, was denn schlimmstenfalls in der Schule beim Referat passieren könnte. Er weiß nicht weiter, die anderen hören nicht zu – das waren seine schlimmsten Befürchtungen. Wenn er nicht weiter weiß, dann schaut er einfach auf seine Karten und liest ab. Wenn die anderen nicht zuhören, dann erzählt er nur der Lehrerin, wie toll Hamburg ist. Das haben wir ausgemacht und plötzlich fand er es gar nicht mehr so schlimm, am nächsten Tag vor die Klasse zu treten. Und alle haben zugehört: Sie wollten schließlich beim Quiz eine Tüte Gummibärchen gewinnen.

Kurz & knapp:  Punkte für ein starkes Selbstbewusstsein

  • Fehler sind in Ordnung

  • Richtig Loben

  • Über Gefühle sprechen

  • Erfolge schaffen

  • An sich selbst glauben

  • Nein Sagen – wenn nötig

  • Eine gute Körperhaltung

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