Digitale Medien im Kinderzimmer: 5 Schritte für gesunden Umgang

Digitale Medien sind fester Teil der Alltagskultur von Kindern und Jugendlichen und viele Eltern sind mit dem richtigen Umgang überfordert. Ab dem Alter von zehn Jahren sind fast alle Kinder im Internet unterwegs – ob am PC, Laptop, Smartphone oder Tablet. Soziale Netzwerke und Messenger-Dienste verwenden sie meist viel intuitiver als ihre Eltern. Streit entsteht vor allem über die Dauer der Mediennutzung und den Inhalten. Problem: Viele Eltern wissen gar nicht, was ihre Sprösslinge im Internet so treiben.

Smartphone, Laptop und Konsorten bieten Möglichkeiten, aber auch Gefahren. Verbringen die SchülerInnen zu viel Zeit mit den digitalen Medien, leidet häufig das Lernen und die Schule.

Mehr zum Thema Digitale Medien auch in der Podcast-Folge Warum Silicon Valley Bosse ihren Kindern keine Handys kaufen

Digitale Medien im Kinderzimmer bewusst angehen mit 5 Schritten

Wer zu einem vernünftigen Umgang mit den Geräten kommen will, sollte im ersten Schritt den Medienkonsum der gesamten Familie unter die Lupe nehmen. Denn eines ist klar: Sehen Deine Kinder Dich ständig und überall nur daddelnd, werden sie nicht akzeptieren, dass sie selbst das nicht auch tun dürfen.

Schritt 1: Wie sieht euer Medienalltag aus?

Elektronische Medien begegnen uns rund um die Uhr. Das ist mittlerweile so normal geworden, dass wir oft gar nicht merken, wenn wir auf unser Smartphone schauen, den Laptop aufklappen oder abends den Fernseher einschalten. Wisst ihr eigentlich genau, wie viel Zeit ihr täglich am Handy verbringt?

Jedes Familienmitglied schätzt ein, wie viel Zeit es an den Geräten verbringt und ihr notiert die Zeiten. Danach installiert ihr eine App, die den tatsächlichen Medienkonsum misst (kostenlose Varianten im App-Store). Bei Fernseher, Radio und Spielekonsole legt ihr ein Blatt Papier neben die Geräte und notiert die Zeiten. Beobachtet Euren Medienkonsum über mindestens eine Woche und vergleicht Eure Einschätzung damit.

Schritt 2: Analyse im Familienrat

Gefällt Euch, was Ihr herausgefunden habt? Die Kinder erschrecken durchaus, wenn sie diese Zahlen dann schwarz auf weiß vor Augen haben, aber auch Erwachsene sind sich häufig nicht bewusst, wie viel Zeit sie beispielsweise vor dem Fernseher verbringen. Schaut Euch Eure Ergebnisse gemeinsam an und sprecht darüber. Was könntet Ihr stattdessen tun? Ein Familienspiel am Abend, ein Buch lesen, spazieren gehen. Wie bewertet Ihr einen gemeinsamen Filmabend im Vergleich zum einsamen Zocken.

Schritt 3: Medienkompetenz

Vor allem, wenn die Kinder jünger sind, ist es sehr wichtig darüber zu sprechen, was in den sozialen Medien passiert. Viele Ältere wissen auch nicht wirklich Bescheid. Macht Euch schlau über Fragen wie: Was passiert mit Fotos im Internet? Kann ich die problemlos wieder löschen? Wer sieht, was ich auf Instagram oder Facebook poste, wie muss ich das einstellen? Welche Daten bekommen die Apps, die ich nutze? Wer liest meine WhatsApp-Nachrichten? Mit wem kommuniziere ich, wem schicke ich Bilder von mir und wo lade ich sie hoch? Wie gehe ich mit unerwünschten Annäherungsversuchen im Internet um, wissen alle, wie man andere blockiert? Was darf ich in welchem Alter? Jedes Familienmitglied sollte sich diese Fragen überlegen, die Antworten könnt ihr vergleichen und wenn Ihr etwas nicht wisst, gibt es viele Broschüren und Quellen im Internet, wo man nachlesen kann.

Schritt 4: Offene Kommunikation – Wozu das Ganze?

Sprecht mit Euren Kindern darüber, warum sie die sozialen Medien und das Handy so wichtig finden. Und nein, das ist nicht eh klar. Sehr häufig machen sich die Kinder nämlich wirklich keine Gedanken. Wenn man das Thema bespricht, werden sie sich erst mal bewusst darüber, was sie da tun. Was könnte man in dieser Zeit noch machen? (Und ich meine nicht lernen) Sport, Lesen, Freunde treffen – in echt. Wie wäre das?

Es geht bei dieser Analyse nicht darum, digitale Medien zu verteufeln und die digitale Demenz heraufzubeschwören, wie das von manchen Autoren gemacht wird. Digitale Medien gehören selbstverständlich zum Umgang im täglichen Leben dazu und das ist gut so, finde ich. Aber es geht darum, Kompetenzen und einen sinnvollen Umgang mit den Medien aufzubauen. Dafür muss man auch ein paar Nachteile in Kauf nehmen (Fernsehen galt in meiner Kindheit als ähnlich bedrohlich und wir haben dieses Teufelsgerät in den meisten Fällen inzwischen vernünftig in unseren Alltag integriert).

Schritt 5: Googeln macht schlau

Ja, das Recherchieren für Referate und andere Themen ausschließlich im Internet führt nicht immer zum allertiefsten Wissensstand. Aber wenn Ihr Eure Kinder in die Bücherei schickt, kommen sie auch nicht immer mit umfangreichem Wissen zurück. Googeln geht schnell, klärt Fragen sofort und man findet einfach zu allem eine Antwort. Auf die vielen, kleinen Fragen und Überlegungen des Alltags so schnell eine Antwort zu bekommen, ist doch echte Wissenserweiterung. Das muss Euch ja nicht davon abhalten, ab und zu ein Lexikon zu benutzen oder ein Buch zu lesen. Und darüber sprechen kann man jederzeit. Also: Taucht in nächster Zeit eine Frage auf, googelt und erweitert gezielt das Familienwissen, sprecht über die Antworten, dann bleiben sie auch hängen.

Digitale Medien machen nicht blöd

Die Befürchtung, dass zu viel digitaler Konsum unweigerlich zum sozialen Abstieg und Verblödung führt ist Blödsinn. Auch hier kann man den Vergleich zum Fernsehen bemühen, das Gefahrenpotenzial ist vergleichbar. Schaut man die Liste der erfolgreichsten Unternehmer an, sieht man schon den Stellenwert, den die digitale Medienwelt einnimmt: Online-Handel, Software, soziale Netzwerke, Telekommunikation rangieren da ganz weit vorne in der Hitliste.

Wichtig ist jedoch, dass vor allem Kinder nicht den ganzen Tag passiv konsumieren und sich Eltern genau mit dem Thema befassen und auseinandersetzen. Es ist definitiv nicht förderlich, Kindern unbegrenzte Zeit an den Medien einzuräumen, auch wenn alle anderen das (angeblich) dürfen. Eltern sollten sich ihrer Verantwortung auf diesem Gebiet besonders bewusst sein und Sicherheit und Orientierung bieten.

Meiner Erfahrung ist es bei Lernschwierigkeiten unerlässlich, die digitale Medienzeit zu reglementieren, weil die Kinder das selbst in der Regel nicht im Griff haben.

Siehe auch zum Thema Digitale Medien: Fachleute warnen: die meisten Kinder schlafen zu wenig, um erfolgreich und stressfrei zu lernen

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