Das Handy ist Störfaktor Nummer 1 beim Lernen. Nicht wenige Eltern sind davon einerseits total genervt, wissen aber auf der anderen Seite gar nicht, was sie dagegen tun können. Wenn man es den Kindern wegnimmt, sind sie isoliert, bekommen nichts von Freunden und der Klassengemeinschaft mit, so die Befürchtung. Wie also auf eine gute Art damit umgehen?

Smartphone, Laptop und Konsorten bieten Möglichkeiten, aber auch Gefahren. Wenn du zu einem vernünftigen Umgang mit den Geräten kommen willst, solltest du im ersten Schritt den Medienkonsum der gesamten Familie unter die Lupe nehmen. Denn eines ist klar: Sehen Deine Kinder Dich ständig und überall nur daddelnd, werden sie nicht akzeptieren, dass sie selbst das nicht auch tun dürfen.

Schritt 1: Wie sieht euer Medienalltag aus?

Elektronische Medien begegnen uns rund um die Uhr. Das ist mittlerweile so normal geworden, dass wir oft gar nicht merken, wenn wir auf unser Smartphone schauen, den Laptop aufklappen oder abends den Fernseher einschalten. Wisst ihr eigentlich genau, wie viel Kontakt ihr täglich zu Medien habt? Jedes Familienmitglied überlegt, wie viel Zeit es an den Geräten verbringt und ihr notiert die Zahlen. Danach installiert ihr eine App, die den tatsächlichen Medienkonsum misst (kostenlose Varianten im App-Store). Bei Fernseher, Radio und Spielekonsole legt ihr ein Blatt Papier neben die Geräte und notiert die Zeiten. Beobachtet Euren Medienkonsum über mindestens eine Woche und vergleicht Eure Einschätzung damit.

Schritt 2: Analyse im Familienrat

Gefällt Euch, was Ihr herausgefunden habt? Die Kinder erschrecken durchaus, wenn sie diese Zahlen dann schwarz auf weiß vor Augen haben, aber auch Eltern sind sich häufig nicht bewusst, wie viel Zeit wir beispielsweise vor dem Fernseher verbringen. Schaut Euch Eure Ergebnisse gemeinsam an und sprecht darüber. Was könntet Ihr stattdessen tun? Ein Familienspiel am Abend, ein Buch lesen, spazieren gehen. Wie bewertet Ihr einen gemeinsamen Filmabend im Vergleich zum einsamen Zocken.

Schritt 3: Soziale Medienkompetenz

Vor allem wenn die Kinder jünger sind, ist es sehr wichtig darüber zu sprechen, was in den sozialen Medien passiert. Viele Ältere wissen auch nicht wirklich Bescheid. Macht Euch schlau über Fragen wie: Was passiert mit Fotos im Internet? Kann ich die problemlos wieder löschen? Wer sieht, was ich auf Instagramm oder Facebook poste, wie muss ich das einstellen?  Welche Daten bekommen die Apps, die ich nutze? Wer liest meine Whatsapp-Nachrichten? Mit wem kommuniziere ich, wem schicke ich Bilder von mir und wo lade ich sie hoch? Wie gehe ich mit unerwünschten Annäherungsversuchen im Internet um, wissen alle, wie man andere blockiert? Was darf ich in welchem Alter? Jedes Familienmitglied sollte sich diese Fragen überlegen, die Antworten könnt ihr vergleichen und wenn Ihr etwas nicht wisst, gibt es viele Broschüren und Quellen im Internet, wo man nachlesen kann.

Schritt 4: Wozu das Ganze?

Sprecht mit Euren Kindern darüber, warum sie die sozialen Medien und das Handy so wichtig finden. Und nein, das ist nicht eh klar. Sehr häufig machen sich die Kinder nämlich wirklich keine Gedanken. Wenn man das Thema mal bespricht, werden sie sich erst mal bewusst darüber, was sie da tun. Was könnte man in dieser Zeit noch machen? (Und ich meine nicht lernenJ ) Sport, Lesen, Freunde treffen – in echt. Wie wäre das?

Es geht bei dieser Analyse nicht darum, die digitalen Medien zu verteufeln und die digitale Demenz heraufzubeschwören, wie das von manchen Autoren gemacht wird. Digitale Medien gehören selbstverständlich zum Umgang im täglichen Leben dazu und das ist gut so, finde ich. Aber es geht darum, Kompetenzen und einen sinnvollen Umgang mit den Medien aufzubauen. Dafür muss man auch ein paar Nachteile in Kauf nehmen. (Fernsehen galt in meiner Kindheit als ähnlich bedrohlich und wir haben dieses Teufelsgerät in den meisten Fällen inzwischen vernünftig in unseren Alltag integriert.

Schritt 5: Googeln macht schlau

Ja, das Recherchieren für Referate und andere Themen ausschließlich im Internet führt nicht immer zum allertiefsten Wissenstand. Aber wenn Ihr Eure Kinder in die Bücherei schickt, kommen sie auch nicht immer mit umfangreichem Wissen zurück. Googeln geht schnell, klärt Fragen sofort und man findet einfach zu allem eine Antwort. Auf die vielen, kleinen Fragen und Überlegungen des Alltags so schnell eine Antwort zu bekommen, ist doch echte Wissenserweiterung. Das muss Euch ja nicht davon abhalten, ab und zu ein Lexikon zu benutzen oder ein Buch zu lesen. Und darüber sprechen kann man jederzeit. Also: Taucht in nächster Zeit eine Frage auf, googelt und erweitert gezielt das Familienwissen, sprecht über die Antworten, dann bleiben sie auch hängen.

Digitales Know-how macht nicht blöd

Die Befürchtung, dass zu viel digitaler Konsum unweigerlich zum sozialen Abstieg und Verblödung führt ist Blödsinn. Auch hier kann man den Vergleich zum Fernsehen bemühen, das Gefahrenpotenzial ist vergleichbar. Schaut man die Liste der erfolgreichsten Unternehmer an, sieht man schon den Stellenwert, den die digitale Welt einnimmt: Online-Handel, Software, Soziale Netzwerke, Telekommunikation rangieren da ganz weit vorne in der Hitliste. Also wer reich und berühmt werden will, kommt um die digitalen Medien sowieso nicht herum.

Und weitere Argumente fallen Euren Kindern garantiert noch ein :-).

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